Anforderungen an Küchen-Arbeitsflächen

Die Oberflächen von Arbeitsplatten haben einer Vielzahl von Anforderungen zu genügen; denn sie sind im Alltag ausserordentlichen physikalischen und chemischen Beanspruchungen ausgesetzt. Sie müssen den Ansprüchen einer hygienisch einwandfreien und risikolosen Küchenarbeit vollumfänglich genügen.
Es ist in der heutigen Zeit selbstverständlich, dass sie auch den Anliegen des Umweltschutzes gerecht werden, und schliesslich sollten sie auch durch ihr Material, die Farbe und Gestaltung zu einer ästhetisch ansprechenden Raumgestaltung beitragen.
Die Tätigkeiten in der Küche sind bekanntlich sehr vielseitig. Auf den Arbeitsflächen werden Lebensmittel (Brot, Gemüse, Früchte, Fleisch, Käse, Teigwaren, Gewürze etc.) mit oder ohne Schutzunterlage be- oder verarbeitet. Kalte und heisse Gegenstände werden darauf abgestellt. Im Alltag dienen sie sogar – zweckentfremdet – oft als „Werkbankersatz“, wenn etwas repariert werden muss. Diese kurzen Ausführungen sollen wenigstens ansatzweise aufzeigen, wieviele Anforderungen eine befriedigende Arbeitsfläche leisten können sollte.

Aus den bisher genannten Gründen sollten sie schlagfest, bei Schäden reparier- respektive erneuerbar, säurebeständig, lebensmittelverträglich, schwer entflammbar, langlebig und recyclingfähig sein. Unempfindlichkeit gegen Schläge, Schnitte, Hitze, Kälte, Wasser, Öle, Fette, Säuren und Chemikalien aller Art sind deshalb erwünschte Eigenschaften, und eine problemlose Reinigung nach Beendigung der Arbeiten wird vorausgesetzt.

Nicht alle Oberflächenmaterialien decken diese vielfältigen Anforderungen vollumfänglich ab. Die Auswahl des bestgeeigneten Materials ist deshalb ein „Optimierungsprozess“, d.h. es ist jenes Oberflächenmaterial zu evaluieren, welches den individuell gestellten Anforderungen am besten entspricht. nachstehend sei deshalb versucht, einige der bekannten Materialien kurz zu beschreiben:


Holz

Als beliebtes, erneuerbares, d.h. nachwachsendes Naturprodukt verfügt Holz (Buche, Eiche, Esche, Fichte, Kiefer und Kirschbaum etc.) über besondere Eigenschaften.
Es „arbeitet“, d.h. es passt sich laufend seiner Umgebung an. Seine Veränderungen richten sich weitgehend nach der jeweils gerade vorhandenen Luftfeuchtigkeit respektive dem Wassergehalt. Mit einer anspruchsvollen Holzverarbeitungstechnik gelingt es heute Endprodukte zu entwickeln, welche den gestellten Anforderungen an Arbeitsplatten in Küchen vollauf genügen. Arbeitsflächen aus Massivholz werden eher selten eingesetzt; denn sie bedürfen einer besonderen Pflege. Wegen dem möglichen eindringen von Wasser und Bakterien ist eine regelmässige Behandlung mit geeigneten Ölen und Wachsen zu empfehlen.

 

Furnierplatten

Das Aussehen von „Massivholz“ lässt sich auch mit einer geschickten Furniertechnik (Sperrhölzer mit verschiedenen Längen aus verschiedenen Lagen aus verleimten Furnieren) erreichen, wobei die Kanten und Einfassungen aus massivem Holz, die Oberflächen jedoch aus dünnen Holzblättern hergestellt werden. Ihre Eigenschaften und die Pflege entsprechen, je nach Art und Dicke der Furniere, weitgehend denjenigen von massivem Holz, d.h. auch sie sollten nach den Pflegerichtlinien der Hersteller unterhalten werden.

Spanplatten

Aus dem Namen geht bereits hervor, dass diese aus relativ groben Holzspänen bestehen. Diese Späne werden mit Kunstharzleimen in einer oder mehreren Schichten unter hohem Druck und durch Erwärmung zu Platten gepresst. Durch das Einhalten der neuesten Formaldehydgrenzwerte sowie durch entsprechende Beschichtung der Platten bestehen keine gesundheitlichen Risiken mehr (auchten Sie auf Gütesiegel).

Beschichtete Spanplatten

Diese bestehen aus auf der Spanplatte aufgebrachten harzimprägnierten Papierlagen, einschliesslich eines unifarbenen oder bemusterten Deckpapiers unter einem Melanimharzbelag. Trotz ihrer allgemeinen Robustheit und Widerstandsfähigkeit gegen Säuren und Laugen sowie ihrer Pflegefreundlichkeit sind sie eher für Fronten geeignet, da die Scheuerfestigkeit nicht immer genügend ist. Ausserdem können sie, je nach Material und Verarbeitung , riss- und hitzeempfindlich sein.

Mitteldichte Faserplatten

Die genaue Bezeichnung lautet „Medium Density Fiberboard-Platte“ und wird in der Praxis mit dem Kurzbegriff „MDF-Platte“ verwendet. Wie bei den Spanplatten besteht das Grundmaterial aus Holzspänen. Diese sind jedoch wesentlich kleiner und stammen meistens von Korkeichen oder amerikanischen Nadelhölzern. Die einzigen Holzpartikel werden unter hohem Druck gepresst und geleimt. Die erstellten Platten lassen sich problemlos bearbeiten.
Sie sind bruch- und biegefest und haben ein hohes spezifisches Gewicht.

Hochdruck-Schichtpressstoffplatten (HPL)

Diese verfügen über eine grosse Härte und Hitzebeständigkeit. Sie verfügen ausserdem über eine stoss-, verschleiss- und kratzfeste Oberfläche, welche auch gegen die üblichen Chemikalien unempfindlich ist. Sie sind deshalb für Arbeitsplatten gut geeignet. Brandflecken können entstehen, wenn z.B. überhitzte Pfannen zu lange stehengelassen werden.

Natursteinplatten

Die aus Hart- oder Weichgestein hergestellten Platten verfügen über unterschiedliche Eingenschaften.

Hartgesteinsplatten

wie z.B. Granit sind grob, geschliffen oder poliert erhältlich. Die Art der Oberflächenbearbeitung bestimmt weitgehend die Pflegefreundlichkeit; denn an groben Oberflächen haften Verunreinigungen stärker als an geschliffenen oder polierten Flächen. Generell ist die Reinigung und Pflege von Hartgesteinsplatten unproblematisch. Dank ihrer Härte sind sie gegen Kratzer, Fette und Säuren weitgehend unempfindlich. Allerdings müssen auch hier Verunreinigungen aller Art mit angemessenen Mitteln möglichst rasch beseitigt werden.

Weichgesteinsplatten

wie z.B. aus  hochglanzpoliertem Marmor ist zu bedenken, dass diese gegen jede Art von Säuren (Frucht-, Wein-, Kohlensäure etc.), aber auch gegen jede Art von mechanischer Beanspruchung empfindlich sind. Fett- und Ölflecken lassen sich mit geeigneten Reinigungsmitteln gut entfernen. Verätzte Stellen auf polierten Oberflächen lassen sich in der Regel nur durch eine Neupolitur beseitigen. Daraus zeigt sich, dass die Pflege grosse Aufmerksamkeit erfordert.
Als Arbeitsplatten dürften Weichgesteinsplatten deshalb nur geeignet sein, wenn sie mit ausgewählten Imprägnierungsmitteln (z.B. speziellen Wachsen etc.) vorbehandelt sind, und wenn auf ihnen entsprechend schonend gearbeitet wird.

Keramik

Als Grundmaterial für die Herstellung dienst, je nach Verwendungszweck, ein Gemisch aus feuchtem Ton, Quarzsand, Kreide und Feldspat, welches gebrannt respektive gesintert (nicht geschmolzen) wird. Es besteht im Wesentlichen aus Alumosilikat. Aus Keramik werden sowohl hochtemperaturbeständiges Glas (Keramikherde) als auch Platten, Fliesen und Röhren hergestellt. Keramische Materialien eignen sich gut für Arbeits- und Abstellflächen.
Sie sind pflegeleicht. Die Fugen werden zur Verhinderung des Eindringens von Wasser mit Epoxidharzen ausgegossen. Trotz der relativ guten allgemeinen Widerstandsfähigkeit sollten aggressive Reinigungsmittel oder harte Scheuermittel wegen einer möglichen Beschädigung der Glasur nicht verwendet werden.

Homogene Werkstoffe

Die einschlägige Industrie versucht seit vielen Jahren Oberflächenmaterialien zu entwickeln, welche nicht nur umweltfreundlich sind, sondern ausserdem möglichst alle bereits genannten Anforderungen erfüllen.
Am Markt findet man heute Oberflächenmaterialien, deren Eigenschaften weitgehend denjenigen von Natursteinplatten entsprechen und in gewisser Hinsicht sogar überlegen sind. Sie bestehen aus natürlichen Mineralien (z.B. aus Bauxit etc.), welche durch eine chemische Verbindung mit Acryl, einer Kohlen-, Sauer- und Wasserstoffverbindung, zu einer biologisch verträglichen Masse entwickelt werden. Diese wird anschliessend zu Formteilen und Platten in verschiedenen Stärken, Farbtönen und Mustern verarbeitet, welche sich mit einem Spezialkleber fugenlos verlegen lassen. Dadurch entsteht eine porenlose, harte, lichtechte, wasserabweisende, säure-. temperatur- und schlagresistente Oberfläche, welche lebensmittelverträglich, pflegeleicht und reinigungsfreundlich ist. Diese Platten sind als Küchenarbeitsplatten prädestiniert. Trotzdem gibt es zwischen den verschiedenen Produkten, vor allem in Bezug auf mögliche Einwirkungen von Chemikalien gewisse Unterschiede.

Kunststoffe

Kunststoffe sind hochpolymere Stoffe, die synthetisch aus einfachen Grundbausteinen hergestellt oder durch chemische Abwandlung hochpolymerer Naturstoffe erhalten werden. Man kennt sie als Thermoplaste (unter Hitze wieder verformbar), Duroplaste (nach Bearbeitung nicht mehr veränderbar) und Elastomere (mit hoher Elastizität). Ihrer Bearbeitbarkeit hinsichtlich Farbe, Formen und Strukturen sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Sie können deshalb auch für besondere Gestaltungseffekte genutzt werden.
Im Küchenbereich werden vor allem Duroplaste verwendet (siehe auch beschichtete Span-, Faser- u.a. Platten zu diesem Thema). Dabei werden Spanplatten mit Kunststoffplatten und -folien belegt.
Je nach Art und Ausführung sind sie weitgehend kratz-, wasser-, schlag- und abriebfest, lichtecht sowie gegen Chemikalien unempfindlich. Damit dürfte auch ihre Eignung als Küchenarbeitsplatten ausgewiesen werden.

Chromnickelstahl

Es handelt sich um eine Legierung aus Chrom, Nickel und Stahl etc. In privaten wie in professionellen Küchen ist Chromnickelstahl, dank seiner besonderen Eigenschaften, seit vielen Jahren bestens eingeführt. Die Oberflächen der Chromstahlbleche sind matt, poliert oder strukturiert. Die Widerstandsfähigkeit gegen Säuren, Hitze, Kälte, Feuchtigkeit, Rost etc. sind längst bekannt. Allfällig auftretende Kalkflecken lassen sich mit geeigneten Reinigungsmitteln (Essig, Zitrone etc.) problemlos beseitigen. Dünne Chromstahlbleche lassen sich durchbiegen und sollten deshalb durch eine Befestigung oder Platte stabilisiert werden. Trotz allgemein guter Kratzfestigkeit sollte auf Chromstahlflächen nicht ohne Unterlage geschnitten oder gehackt werden. Dies schadet sowohl dem Chromstahl als auch den verwendeten Schneid- respektive Hackgeräten.

 

Zusammenfassend lässt sich zum Thema „Arbeitsplattenoberflächen“ festhalten, dass vorerst geklärt werden sollte, welche Anforderungen in Bezug auf die zukünftige Beanspruchung an sie gestellt werden. Anschliessend sind auch die übrigen gewünschten Eigenschaften (Aussehen, Farbe, Struktur etc.) zu definieren. Es empfiehlt sich, angesichts der grossen Auswahlmöglichkeiten, einen Fachmann beizuziehen.

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